Erneuter Einschüchterungsversuch gegen das Menschenrechtszentrum Frayba in San Cristóbal de Las Casas, Chiapas
Am Abend des 22. Juli 2025 wurde die Wohnung von Dora Roblero, Direktorin des Menschenrechtszentrums Fray Bartolomé de Las Casas (Frayba), in San Cristóbal de Las Casas (Chiapas, Mexiko) gewaltsam aufgebrochen. Es ist der zweite derartige Vorfall innerhalb von zehn Monaten gegen Mitglieder der auch in Europa bekannten mexikanischen Menschenrechtsorganisation.
Die Umstände des Eindringens deuten auf eine gezielte Einschüchterung hin: Die Tür war aufgebrochen, Fenster standen offen, Gegenstände wurden im Inneren der Wohnung bewegt. Die Alarmierung des staatlichen Schutzmechanismus für bedrohte Menschenrechtsverteidiger*innen blieb nahezu wirkungslos. Behörden trafen zwar ein, zeigten jedoch weder Schutzinitiative noch ergriffen sie geeignete Maßnahmen. Der Vorfall steht im Zusammenhang mit einer zunehmenden Gewaltspirale und Repression gegenüber zivilgesellschaftlichen Akteuren, indigenen Aktivist*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen in Chiapas. Die aktuelle Landesregierung steht die Region offiziell als „sicher“ da, de facto ist sie jedoch weiterhin von bewaffneten Konflikten, Straflosigkeit und eingeschränkter Handlungsfreiheit in der Menschenrechtsarbeit geprägt. Mehrere Menschenrechtsverteidiger*innen wurden in den letzten Jahren ermordet, Aufsehen erregte zuletzt der Mord an dem Friedensaktivisten und Pfarrer Marcelo Pérez Pérez im Okrober 2024, der bis heute nicht augeklärt ist.
Frayba dokumentiert diese Entwicklungen seit Jahren. Aufgrund der Drohungen die das Zentrum deswegen erhält verpflichtete die Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) den Mexikanischen Staat dazu Maßnahmen zum Schutz der Organisation und ihrer Mitglieder zu ergreifen. Die Missachtung dieser Maßnahmen durch den mexikanischen Staat stellt eine Verletzung internationaler Verpflichtungen dar.
(Lies unten die vollständige Nachricht, die mit deiner Unterschrift an die zuständigen Behörden gesendet wird.)
ACCIÓN URGENTE: ¡Exigimos protección para el equipo del Centro de Derechos Humanos Frayba!
URGENT ACTION: Wir fordern Schutz für das Team des Menschenrechtszentrums Frayba!
Deutschland, Europa, Welt
26. Juli 2025
An die Präsidentin
An die Regierungssekretärin
An die Generalbundesstaatsanwaltschaft
An den Subsekretär für Menschenrechte, Migration und Bevölkerung
An die Nationalen Menschenrechtskommission
An den Gouverneur von Chiapas
An die Generalsekretärin von Chiapas
An die Generalstaatsanwaltschaft von Chiapas
An die Menschenrechtskommission von Chiapas
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit großer Besorgnis verfolgen wir die aktuellen Ereignisse in San Cristóbal de Las Casas (Chiapas), insbesondere den gewaltsamen Einbruch in die Privatwohnung von Dora Roblero, Direktorin des Menschenrechtszentrums Fray Bartolomé de Las Casas (Frayba), am 22. Juli 2025.
Es handelt sich bereits um den zweiten dokumentierten Vorfall dieser Art gegen Mitarbeitendedes Zentrum innerhalb von weniger als einem Jahr. Diese Entwicklung steht in einem Kontext zunehmender Gefährdung für zivilgesellschaftliche Organisationen und Menschenrechtsverteidiger*innen in der Region. Besonders alarmierend ist in diesem Fall das Ausbleiben angemessener Reaktionen staatlicher Stellen – trotz bestehender Schutzmaßnahmen durch die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH).
Daher fordern wir nachdrücklich:
- Die sofortige und umfassende Gewährleistung der Sicherheit von Dora Roblero sowie des gesamten Frayba-Teams.
- Eine unabhängige, transparente und ernsthafte Untersuchung des Einbruchs sowie aller relevanten Hintergründe.
- Die vollständige Umsetzung der von der CIDH ausgesprochenen Schutzmaßnahmen.
- Ein öffentliches Bekenntnis zum Schutz der Arbeit von Menschenrechtsorganisationen und zur Unversehrtheit ihrer Vertreter*innen in Chiapas.
Der Schutz von Menschenrechtsverteidiger*innen ist nicht nur eine nationale Verantwortung, sondern auch eine Verpflichtung im Rahmen internationaler Abkommen, denen Mexiko beigetreten ist.
Wir appellieren an Sie, die Gelegenheit zu nutzen, Vertrauen wiederherzustellen und glaubwürdige Maßnahmen zum Schutz zivilgesellschaftlicher Akteure zu ergreifen.
Mit freundlichen Grüßen,
[Name]


